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Christopher Hoffmann, katholische Kirche (Verkündigungssendung) Es war über Monate eines der häufigsten Wörter in den Nachrichten: Familiennachzug. Am Ende eines erbitterten politischen Streits stand ein Kompromiss: Zwei Jahre war er für viele Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind, ausgesetzt. Seit einem guten halben Jahr dürfen aus dieser Gruppe nun 1.000 Väter, Mütter oder Kinder pro Monat zu ihrer engsten Kernfamilie nachkommen. Es ist erstaunlich ruhig um den Familiennachzug geworden. Als Zankapfel der Politik ist er gegessen. Gut so. Als Problem für die einzelnen Kinder und Jugendlichen aber müsste er nun endlich real werden: Denn ich kenne als Seelsorger viele unbegleitete minderjährige Jungen und Mädchen, die täglich darunter leiden, hier alleine aufzuwachsen. Für sie geht es nicht um Zahlen, sondern um Zukunft: Familie ist der Ort, wo sich Kinder und Jugendliche zu Hause fühlen, besonders dann, wenn sie in einem ihnen fremden Land leben müssen. Und mir ist Familie heilig. Die eigene und die von jedem Menschen, egal woher er kommt und welche Religion er hat. Einer dieser Jugendlichen hat die Musik für sich entdeckt, um mit der Situation umzugehen. Er hat einen Rap geschrieben. Der sinnlose Krieg in Syrien hat ihn von seinen Eltern getrennt. Da war er 12. Alleine kam er nach Deutschland, auf der Flucht vor den kriegerischen Parteien, die ihn jeweils hinter ihr Gewehr spannen wollten. Statt mit Menschen, kämpft er seitdem mit deutscher Grammatik. Mit der/die/das und den Vokabeln. Und diesen Kampf hat er gewonnen, denn er kann inzwischen Lieder texten in einer Sprache, die nicht seine Muttersprache ist. Darüber, wie er seine Mutter vermisst. Der junge Syrer startet den Sprechgesang und jedes Wort kommt aus seiner Feder und direkt aus seiner Seele: „Jeden Tag wach ich mitten in der Nacht auf, denk an Mama und Familie. Jeden Tag wach ich mitten in der Nacht auf und schreib mir neue Ziele. […] Drei Jahre ohne Familie und das Herz ist am Brennen. Leute sagt mir, wie soll ich das nennen?“ Ich habe Gänsehaut. Und ich finde es gut, dass er seine Stimme nutzt, um zu singen. Denn es darf nicht leise werden um den Familiennachzug, bis alle Kinder und Eltern, die fliehen mussten, wieder vereint sind.