Worte und Gedanken | SWR3

Tafeln

11.2.2019 | 8.00 Uhr | 1:50 min

Verfügbar bis: 6.2.2020, 8.00

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Tobias Weimer, evangelische Kirche: Es gibt in Deutschland über 940 Tafeln als Verein. Diese über 940 Tafeln betreiben mehr als 2.000 Tafel-Läden und Ausgabestellen. Um die 60.000 Menschen engagieren sich ehrenamtlich dort. In den Läden und Ausgabestellen geben die Tafeln überschüssige Lebensmittel kostenlos oder gegen einen symbolischen Betrag aus. (Verkündigungssendung) Ich finde es gut, dass es die Tafeln gibt. Besorgniserregend finde ich aber, dass sich so viele bei den Tafeln engagieren müssen. Denn immer mehr Menschen benötigen diese Unterstützung. Sie haben zu wenig Geld, um regulär einkaufen zu gehen. Es reicht kaum für das Nötigste. Und das betrifft auch viele Kinder und Jugendliche. Mich macht das wütend. Auch, weil es so im Widerspruch steht zu dem, was ich in der Bibel lese. Ein ganz wichtiges Wort in der Bibel ist Gerechtigkeit. In vielen Geschichten geht es darum, dass Gott sich einsetzt dafür, dass Menschen gerecht behandelt werden. Und die Menschen sind dazu aufgerufen sich für Gerechtigkeit einzusetzen. Damit jeder genug zum Leben hat. Und nicht angewiesen ist auf Almosen. Das machen all die Helfer und Helferinnen in den Tafeln. Und darüber bin ich froh. Aber ich glaube es ist auch wichtig Ungerechtigkeit aufzudecken wo man sie sieht. Auch das ist eine Möglichkeit für Gerechtigkeit einzutreten. Wie kann es z.B. sein, dass die Schere zwischen arm und reich immer größer wird in unserem reichen Land? Wie kann es sein, dass es keine Bildungsgerechtigkeit gibt und damit schon Kindern die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zunichte gemacht wird. Klar – diese Probleme kann ich nicht auf einmal lösen. Aber ich kann diese Fragen offen halten. Und ich kann mit Menschen sprechen, die Entscheider sind, mit den Abgeordneten meiner Gegend. Ich kann zeigen: Mir ist das nicht egal. Ich will, dass es gerechter zugeht – und ich glaube, da bin ich nicht alleine. Teaser: Tafeln sind ein notwendiges Übel und es ist gut, dass es sie gibt. Besser wäre, wir bräuchten sie nicht.