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Das TAV-Drama: Von militanten Rentnern und verzweifelten Unternehmern - warum Italiens Stuttgart 21 das Land in Atem hält

15.4.2019 | 14.36 Uhr | 19:17 min

Verfügbar bis: 9.4.2020, 14.36

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mit Jörg Seisselberg. | Im wilden Nordwesten Italiens, nahe der Grenze zu Frankreich, wird seit Jahrzehnten erbittert über den Bau der von Europäischen Union gewollten Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke Turin-Lyon gestritten. Die auf Italienisch kurz TAV genannte Bahntrasse ist eines der umstrittensten Verkehrsprojekte Europas, die Protestbewegung so alt und radikal wie wenig andere. Die Spurensuche unseres Korrespondenten Jörg Seisselberg führt zu den TAV-Gegnern im Susa-Tal, unter denen sich auffällig viele militante Rentner befinden, die Strafanzeigen wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt wie Orden tragen. Zu Wort kommen auch, unter anderem, besorgte Unternehmer, die im Vertrauen auf eine TAV-Zukunft investiert haben und leer auszugehen drohen. Ein Bürgermeister, der aufgrund der Baustelle mehrere Millionen Ausgleichszahlungen für sein Örtchen bekommt und von diesem Geld Weinhänge mit vergessenen Rebensorten baut, sowie ein Richter, der schildert, wie der Konflikt, der im März fast die italienische Regierung zu Fall brachte, mit ein paar Tonaufnahmen begann.