Worte und Gedanken | SWR3

"Politik und Bibel"

19.4.2018 | 7.00 Uhr | 1:38 min

Verfügbar bis: 14.4.2019, 7.00

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Martin Wolf, katholische Kirche: Warum die Bibel sich schlecht für den Wahlkampf eignet. (Verkündigungssendung) Wer hat den Größten, den Längsten, den Stärksten? Es sind die immer gleichen Männerfragen, um die sich leider auch die Weltpolitik dreht. Er habe einen größeren, hat uns der amerikanische Präsident schließlich unlängst wissen lassen. Gemeint war der Atomknopf. Und während der eine mit seinem Atomknopf prahlt, inszeniert sich ein anderer in Russland als muskelbepackter Naturbursche hoch zu Ross, während sich in Ungarn einer als letzte Rettung vor dem Untergang des Landes preist. Einem Untergang, den er vorher selber an die Wand gemalt hat. Es ist lächerlich und ermüdend, aber sie funktioniert noch immer. Die alte Geschichte vom trotzig-starken Helden, der mutig vorangeht und allen Anderen Paroli bietet. Mag die Wirklichkeit auch noch so komplex sein. Mir ist daran nochmal klar geworden, warum die Bibel nie und nimmer als Anleitung für politische Macht dienen kann. Es ist eben nicht besonders sexy, wenn statt des Helden, der mit nacktem Oberkörper durch die Wildnis reitet, ein sanfter Mann auftritt, der sagt: Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen. Oder: Wenn dich einer auf die eine Wange schlägt, dann halt ihm auch die Andere hin. Auch das ist ein Programm. Aber keines, mit dem man in dieser Welt gerade Wahlen gewinnen könnte. Dennoch glaube ich, dass es ohne so ein Programm nicht geht. Krawall machen und Konflikte schüren kann schließlich jeder. Wirkliche Kunst aber ist es, den Frieden zu gestalten. Nicht nur mit den Nachbarn, sondern auch untereinander. Als Gesetzbuch taugt das Evangelium auch dafür nicht. Als Inspiration allerdings sehr wohl.

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