SWR2 Impuls - Wissen aktuell

Studie Hundeblick für Impuls, SPERRFRIST MO 21.00

18.6.2019 | 16.05 Uhr | 2:26 min

Verfügbar bis: 12.6.2020, 16.05

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ACHTUNG, Sperrfrist MO 21.00!!<br/><br/>Wie entstand der Hundeblick?<br/><br/>Mod.: Wohl jeder, der einen Hund besitzt kennt diesen Blick: der Vierbeiner legt den Kopf leicht schief und schaut mit großen Augen Herrchen oder Frauchen an. Wer das besonders gut beherrscht, bekommt eher mal ein Stückchen Wurst als andere. Den typischen Hundeblick haben die Tiere aber erst im engen Kontakt mit dem Menschen entwickelt - Wölfe können nicht so schauen. Das zeigt jetzt eine Studie im amerikanischen Fachblatt PNAS (Proceedings der National Academy of Sciences). Ulrike Till stellt die Studie vor:<br/><br/>(Hinweis: früherer Ausstieg möglich bei 1'47")<br/><br/>Hunde haben sich genial an uns Menschen angepasst - kein Wunder, dass sie weltweit zu den beliebtesten Haustieren gehören. Eine Schlüsselrolle spielt dabei gezielter Augenkontakt: wenn ein Hund nicht weiter weiß und ein Mensch in der Nähe ist, schaut der Vierbeiner den Zweibeiner an - auch die meisten Straßenhunde verhalten sich so. Entscheidend ist dabei ein winziges Detail: erst wenn der Hund beim Schauen seine innere Augenbraue hochzieht, entsteht der typisch bittende Hundeblick. Dafür gibt es sogar ein wissenschaftliches Fachwort: AU101 nennen Forscher das Anheben der inneren Braue. Das können nur Hunde - Wölfen fehlt dafür der entscheidende Muskel. Das haben jetzt Wissenschaftler der Universität von Portsmouth gezeigt. Die Forscher haben die Gesichtsmuskeln von vier Wölfen und sechs Hunden miteinander verglichen. Das Ergebnis: nur bei den Augenbrauenmuskeln gibt es einen klaren Unterschied. Das ist erstaunlich, denn Wolf und Hund haben sich erst vor rund 33.000 Jahren auseinanderentwickelt. Für die Veränderung von weichem Gewebe ist das laut den Forschern ein sehr kurzer Zeitraum. Dafür gibt es nur eine Erklärung: offenbar war es für die Vorfahren der Haushunde ein Vorteil, wenn sie ihre Menschen mit gehobener Braue anschauen konnten. Denn das lässt die Augen größer wirken, der Hund erscheint deshalb kindlicher. Außerdem erinnert der Blick an den eines traurigen Menschen - auch das hat wohl schon bei Steinzeitmenschen Betreuungsreflexe ausgelöst. Hunde, die so gucken konnten, bekamen vermutlich eher mal einen Knochen und mehr Zuneigung - Vierbeiner mit perfektem Hundeblick hatten bessere Überlebenschancen; der Brauenmuskel erwies sich als evolutionärer Vorteil.<br/>Das gilt auch heute noch: Tierheim-Hunde finden schneller ein neues Zuhause, wenn sie häufiger die innere Auenbraue anheben. Das belegt eine Studie von 2013. Schlaue Vierbeiner gucken nicht nur rührend, sondern legen dabei auch noch den Kopf schief - das erhöht die Chancen auf Wurst und Streicheleinheiten. Augen aufreißen und Kopf schieflegen sind übrigens auch klassische Flirtstrategien beim Menschen: weit geöffnete Augen signalisieren Interesse, der schräge Kopf legt die Halsschlagader frei - von mir geht keine Gefahr aus, ist die Botschaft. Und die ist universell gültig, bei Menschen wie bei Hunden.

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