Worte und Gedanken | SWR3

"Gerechtigkeit"

22.3.2019 | 8.00 Uhr | 1:59 min

Verfügbar bis: 16.3.2020, 8.00

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Peter Kottlorz katholische Kirche: Arbeitslose, Hartz IV Empfänger und alleinerziehende Mütter welcome! (Verkündigungssendung) „Sei gerecht, ehe du großmütig bist“. Dieser Satz geht mir immer wieder durch den Kopf, wenn ich Mails von Menschen bekomme, die auf geflüchtete Menschen schimpfen. Die verärgert sind, weil sie sich den Geflüchteten gegenüber benachteiligt fühlen. „Sei gerecht, ehe du großmütig bist“. Beim Thema Flüchtlingshilfe hab ich da zwei Blickwinkel. Zum einen den Blick auf die Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft. Zum anderen den Blick auf die Menschen, die ihren Frust oder ihre Wut bei mir abladen. Ich will ihnen gegenüber gerecht sein, das heißt für mich auch verstehen, was sie denn so wütend macht. Ich denke viele arme Menschen bei uns, die gesehen haben wie selten schön Politik, Kirchen und Gesellschaft mit den zu uns Geflüchteten umgegangen sind, hätten sich gewünscht, dass man auch mit ihnen so umgegangen wäre. Nicht nur Refugees welcome, sondern Arbeitslose, Hartz IV Empfänger, alleinerziehende Mütter am Existenzminimum, welcome! Wir sehen euch, wir heißen euch willkommen, wollen euch und euren Kinder gut. Und ihr braucht nicht mehr all diese entwürdigenden Ämtergänge machen oder euch bis in die persönlichsten Lebensumstände kontrollieren lassen. Ja, wenn Menschen wie sie sehen, dass Geflüchtete leichter und vielleicht auch freundlichere Unterstützung bekommen haben, dann kann ich ihren Frust und ihre Wut verstehen. „Sei gerecht, ehe du großmütig bist“. Da hat es bislang offenbar zu sehr an Gerechtigkeit den Armen in unserer Gesellschaft gegenüber gefehlt. Auch schon im Jahr 2015 als es zu der ohne Zweifel historisch richtigen und menschlich schönen Großmütigkeit den Geflüchteten gegenüber bei uns kam. Darum ist nun Gerechtigkeit für die hiesigen Benachteiligten angesagt, damit nicht die Armen in unserer Gesellschaft gegeneinander ausgespielt oder gar aufgehetzt werden. Und Frieden herrscht, sozialer Frieden. Denn der lebt von Gerechtigkeit - für alle!

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